24.10.19

Habemus Zielbild!

Ohne Gegenstimmen hat die Landessynode bei ihrer Herbsttagung 2019 das ZIELBILD 2030 beschlossen. Darin geht es um die Organisationsstruktur unserer kirchlichen Verwaltung. Mit diesem Zielbild als Kompass planen wir die nächsten Schritte.

Der Text im Wortlaut

  • add Das Zielbild in der Originalfassung

    Hier finden Sie den Antrag 30/19, der ohne Gegenstimmen und mit nur vier Enthaltungen am 18. Oktober von der Landessynode beschlossen wurde. Außerdem finden Sie hier die dazugehörigen Bereichte des Oberkirchenrates und des Strukturausschusses der Landeskirche. ANTRAG 30/19+Berichte

     

     

  • add Einführung

    Im Rahmen des Prozesses „Kirchliche Strukturen 2024Plus" wurden vielfältige Maßnahmen angeregt, die dazu dienen, die Verwaltung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg besser an die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen anzupassen. Bei der Einführung neuer Strukturen besteht im Grundsatz Freiwilligkeit. Gesetzliche Vorgaben sind hilfreich. Allerdings sollen sie auf das Notwendige beschränkt werden. Eine Notwendigkeit besteht aber, wenn die Leistungsfähigkeit der Verwaltung vor Ort nachweislich nicht mehr gegeben ist. Der Umsetzungszeitraum ist dabei nicht starr. Er kann von Maßnahme zu Maßnahme variieren. Der Übergang soll gleitend sein und von der Basis gestaltet werden können. Die komplexen Veränderungen werden in einer Pilotphase erprobt. Jede Einzelmaßnahme soll dabei auf das Zielbild 2030 ausgerichtet werden, das hier formuliert ist:

  • add Ziel 1: Pro Region gibt es 2030 eine starke Verwaltung.

    Die Verwaltung ist zur dauerhaften Sicherstellung der Grundsätze guten Verwaltungshandelns und wegen der notwendigen Zusammenführung von komplexen Verwaltungsvorgängen vorwiegend auf der mittleren Ebene angesiedelt. Dort werden landeskirchliche Aufgaben wahrgenommen und Geschäfte der Kirchengemeinden, der Kirchenbezirke und der sonstigen öffentlich-rechtlichen kirchlichen Körperschaften in deren Auftrag und nach deren sachlicher Weisung erledigt. Die Verwalttungsaufgaben, die lokal verortet bleiben müssen, bleiben vor Ort. Es existiert ein landeskirchenweiteinheitlicher Mindestaufgabenkatalog, der einen einheitlichen Service gewährleistet. 2030 bestehen in der Landeskirche 15 bis 18 Verwaltungsregionen; gegebenenfalls je nach Größe mit Filialen.

  • add Ziel 2: In Kirchengemeinden wird ein neues Berufsbild für die Leitung der Gemeindeverwaltung entwickelt.

    Die Personen, die dieses durch die Änderung der Kirchengemeindeordnung vorgesehene neue Berufsbild ausüben (Assistenz der Gemeindeleitung), übernehmen in Verantwortung gegenüber den Vorsitzenden des Kirchengemeinderats die Erledigung der örtlichen Verwaltungsaufgaben. Sie sind Anlaufstelle für die Gemeindeglieder und bilden das Bindeglied zwischen der Gemeindeleitung und der regionalen Verwaltung. Bei Bedarf werden Übergangslösungen für die von Umstellungen betroffenen Personen und Kirchengemeinden angeboten.

  • add Ziel 3: Gemeindebüros vernetzen sich.

    Um eine gute Erreichbarkeit und Vertretungsregelungen zu gewährleisten, können sich Gemeindebüros vernetzen, z. B. durch Zugriffsberechtigungen auf digitale Akten und Programme und durch Telefonweiterleitungen. Auch die Bildung zentraler Gemeindebüros (z. B. auf Distriktsebene) ist nach den örtlichen Gegebenheiten möglich, wenn dies nicht zu finanziellen oder personellen Mehrbelastungen führt.

  • add Ziel 4: Auf allen Ebenen der Landeskirche werden einheitliche digitale Standards eingeführt.

    Es bestehen einheitliche digitale Standards, die von allen genutzt werden, als Grundvoraussetzung für schnelles und effizientes Verwaltungshandeln, insbesondere für die innerkirchliche Kommunikation.

  • add Ziel 5: Ehrenamtliches Engagement im Bereich der kirchlichen Verwaltung wird gefördert.

    Auch im Bereich der Verwaltung ist ehrenamtliches Engagement ausdrücklich gewünscht. Es werden Strukturen entwickelt, die ehrenamtliches Engagement fördern. Bei der Entwicklung von Rahmenbedingungen gilt der Grundsatz: Bestimmte Pflichtaufgaben einer Körperschaft des öffentlichen Rechts sollen hauptamtlich wahrgenommen werden. Die verbliebenen Aufgaben können von einem Mitglied des Kirchengemeinderates wahrgenommen werden, das dabei von hauptamtlich Mitarbeitenden unterstützt wird.

Einblicke in die synodalen Debatten rund um diesen weitreichenden Beschluss finden Sie hier: https://www.elk-wue.de/wir/landessynode/sitzungen-der-landessynode/herbsttagung2019 (3. Sitzungstag, Freitag 18. Oktober)

Der Weg zum Zielbild

Die Landessynode hat beschlossen, dass von 2020-2021 das Zielbild in drei Regionen pilotiert wird. Dabei sollen die einzelnen Ziele auf Praxistauglichkeit getestet, präzisiert und bei Bedarf korrigiert werden. Und es sollen die Fragen in den Blick genommen werden, auf die bis jetzt keine eindeutige Antwort gefunden wurde, wie zum Beispiel: Wer ist in Zukunft Träger der regionalen Verwaltung? Soll es die Landeskirche oder ein Verband der Kirchengemeinden und Kirchenbezirke sein?

Für diese Pilotphase hat die Landessynode 650.000 Euro bewilligt.

2022 sollen die Ergebnisse der Pilotphase der Landessynode vorgelegt werden.

  • add Der Beschluss im Wortlaut

    Die Landessynode wird gebeten, die im Zielbild vorgestellten Maßnahmen zu beschließen. Diese sollen in unterschiedlichen Regionen und Formen pilotiert werden: Eine Verwaltungsstruktur mit einer Kirchlichen Verwaltungsstelle als mittlerer Ebene, eine Verwaltungsstruktur mit einer mittleren Ebene nach einem Verbandsmodell und eine Verwaltungsstruktur mit Distriktskirchenpflege.

    Die Landessynode wird gebeten, im Plan für die kirchliche Arbeit 2020 zusätzlich 650 000 € aus Kirchensteuermitteln vorzusehen (Maßnahme Nr. 1491-1: Pilotierung 2024plus).

    Die Ergebnisse dieser Pilotierung sollen der 16. Landessynode im Jahr 2022 vorgelegt werden. Evaluiert werden sollen die Fragestellungen, die für das Projekt 2024Plus handlungsleitend sind, u. a.:

    • Wie wird die Pfarrerschaft durch die Strukturveränderung entlastet? Wie beeinflussen die Strukturveränderungen die Arbeit des Kirchengemeinderates? Und wie wird das Zusammenspiel von Ehren- und Hauptamt gewährleistet?
    • Werden die Grundsätze guten Verwaltungshandelns umgesetzt? Und wie attraktiv sind die entstehenden Stellen in der kirchlichen Verwaltung? Auch die Übertragbarkeit der Pilotprojekte und mögliche Synergien sind in den Blick zu nehmen.

    Auszug aus dem Antrag 30/19, Seite 2

Für mich persönlich bedeutet dieser Beschluss, dass ich diesen spannenden Strukturprozess zwei weitere Jahre begleiten darf. Wir sind ganz aktuell im Gespräch mit Verantwortlichen in den Kirchenbezirken Ulm und Blaubeuren, in den Kirchenbezirken Backnang, Schorndorf und Waiblingen, sowie mit der Gemeinschaftlichen Kirchenpflege Oberndorf. Wenn die zuständigen Gremien zustimmen, werden wir mit diesen Partnern in die Pilotphase starten.

In den nächsten zwei Jahren werden wir weiterhin offen und ehrlich berichten, wie gehabt. Auch den vertrauensvollen Austausch mit den  beteiligten Personen und Berufsgruppenvertretungen führen wir gerne in der gewohnten Weise fort!

Für Rückfragen stehe ich sehr gerne zur Verfügung!

Ihr

Benedikt Osiw, benedikt.osiwdontospamme@gowaway.elk-wue.de 0711 2149-598

Struktur-Blog abonnieren - nichts verpassen

Kommentar hinzufügen: * Pflichtfelder sind mit einem Stern markiert.

Bernd Kemmner 29.10.2019 20:09

Verstehe das wer will. Immer mehr und komplexere Anforderungen werden an die kirchliche Verwaltung gestellt. Und dann hat unserer Synode das Allheilmittel endeckt. Das Ehrenamtliche Engagement in der Verwaltung stärken. Das Zielbild für 2030 liest sich wie ein zurück ins letzte Jahrhundert.

Dieses Formular benötigt Javascript / This form needs Javascript