17.04.18

Von Steckdosen, zentraler Anstellung und von selber großen Gemeinden

Die Diskussion in der Citykirche Reutlingen

Sechs engagierte Kirchenmenschen und ein Bürgermeister haben am 12. April in Reutlingen zum Thema "Selber groß!" diskutiert. Es ging um die ganz großen Themen: Wie groß sollte eine Kirchengemeinde sein? Und welche Rolle hat der Pfarrer? Und ganz praxisnah ging es um die wichtigen Details: Wer sagt dem Handwerker, wohin die neue Steckdose im Gemeindehaus gehört. Schauen Sie rein und diskutieren Sie mit!

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Barbara W 26.04.2018 16:16

Im ländlichen Bereich, zu dem ich gehöre, halte ich es für sehr sinnvoll, Verwaltungszentren einzurichten. Verwaltung soll möglichst fehlerfrei ablaufen. Das ist nur möglich, wenn die Mitarbeiter Routine haben. Man kann aber keine Routine entwickeln, wenn man in der Woche 1,75 Stunden arbeitet. Also gibt es Fehler bei den Veröffentlichungen, der Verwaltung der Amtshandlungen.. Wer muss das ausbaden, was die Sekretärin aufgrund der Struktur, verstärkt durch persönliche Schwächen, nicht korrekt arbeiten konnte? Die Pfarrerin.
Bei so kleinen Stellen findet man so gut wie keine tüchtigen Kräfte. Man kann froh sein, überhaupt jemand zu finden. Ich weiß wovon ich rede. In den letzten zwei Jahren habe ich drei verschiedene Personen eingearbeitet. Eine Einarbeitung dauert mindestens 30 Stunden. Das sind 30 Stunden, die von meiner Zeit abgehen. 30 Stunden, die der Pfarrer, der eine so kleine Gemeinde hat, nicht hat, denn es ist nicht die einzige Gemeinde, die er zu verwalten hat. Einer Person musste ich eine Abmahnung schreiben. Bis ich wusste, wie das geht, waren mehrere Gespräche nötig. Auch das braucht Zeit. Und Nerven. Und dann bekam ich noch Vorwürfe, ich hätte der Sekretärin die Arbeit nicht richtig erklärt. Diejenige, die sitzt und mühsam die richtigen von den falschen Daten trennt, das ist die Pfarrerin, die durch die Sekretärin mit Mehrarbeit von 3 Stunden die Woche belastet wird (Einarbeitung, Kontrolle, Korrektur, Korrektur der Korrektur, Veröffentlichung, Ordnen der Daten im PC und im Schrank). Den Ärger gibt es gratis dazu. Den Ärger der Gemeinde, wenn sie vor verschlossenen Türen stehen, weil die Gottesdienstzeit falsch angegeben war. Den Ärger, wenn man ein Dokument 4 Mal durchgesehen hat, es jedes Mal korrigiert und dann bei der Veröffentlichung feststellt, dass doch noch ein Fehler übersehen worden war.
Der Umfang der Stelle für den Sekretär wird nach Gemeindeglieder berechnet. Das ist unrealistisch. Man hat ein bestimmtes Fundament an Verwaltungsarbeiten, das für jede Gemeinde, egal wie groß, ungefähr gleich ist. Es gibt jeden Sonntag Gottesdienst. Man muss jede Woche Abkündigungen schreiben. Jede Woche wird in einer Zeitung das Angebot der Gemeinde veröffentlicht. Es gibt jedes Jahr Konfirmation und Gemeindefest. Visitation, Statistik etc wollen bearbeitet werden. Von daher bleibt an der Pfarrerin einer bzw. mehrerer kleinen Gemeinden mehr Arbeit in der Verwaltung hängen, als in einer großen. Die bayerische Landeskirche lässt diese Erkenntnis mit in die Beratung der Gemeinden einfließen. Dieser notorische Zeitmangel setzt Sekretärin und Pfarrerin unter Druck. Das macht unzufrieden. Man merkt jede Woche, dass man etwas nicht kann.
Das „normale“ Gemeindemitglied ist kirchenfern. Eine Frau aus meiner Gemeinde ist aus der Kirche ausgetreten. Sie hat an die Nachbargemeinde, einem Städtchen mit OB und zwei Pfarrern, einen Brief geschickt, an die Pfarrer gerichtet. In den 12 Jahren, in denen die Frau in unserem Dorf wohnte, hat sie nicht gemerkt, dass das Dorf eine eigene Pfarrstelle ist. Der Vater eines Konfirmanden wollte sich ebenfalls seine Patenbescheinigung im Städtchen holen. Er geht wohl, wie viele, davon aus, dass die geschäftsführende „Stadtpfarrerin“ meine Vorgesetzte sei. Die geschäftsführende Pfarrerin der Stadt wird als Chefin angesehen. Der Oberbürgermeister war sehr erstaunt ob der für ihn ganz neuen Tatsache, dass der andere Pfarrer ihr gleichrangig sei. Er ging davon aus, dass die kirchliche Struktur der kommunalen entspricht und da gibt es einen OB und die Ortsvorsteher.

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